Das Gedächtnis der Häuser
Zur Mitte hin, in unsrer Stadt, wo Menschen sich verstecken,
lebte ich in Räumen voller Fragen, die mir nicht gehörten,
erinnern sich die Häuser an ein Leben voller Schrecken?
Am Hausausgang zwei Frau‘nreliefe, können sie verdecken
all die vielen Schreie, Schläge, Morde, Kriege, die sie hörten
zur Mitte hin, in unsrer Stadt, wo Menschen sich verstecken?
In U-Bahnschächten kriechen Leitern durch gestählte Decken
dort auf stille Straßen, wo mich meine Ängste nicht mehr störten,
erinnern sich die Häuser an ein Leben voller Schrecken.
Wir sahn‘ die Nacht im alten Dorf da oben hinter Hecken,
Kescher schoben Leute durch die deutschen Bäche, die zuhörten,
zur Mitte hin, in unsrer Stadt, wo Menschen sich verstecken.
Beginnen sie zu reden, feurig Stimmen abzulecken,
lauter, schriller, deutlich jetzt Befehle durch die Gassen röhrten,
erinnern sich die Häuser an ein Leben voller Schrecken.
So steige ich aufs Holz der Brücke voller Blut und Flecken,
Fischer stoßen mich ins trübe Wasser zu den Unerhörten
zur Mitte hin, in unsrer Stadt, wo Menschen sich verstecken,
erinnern sich die Häuser an mein Leben voller Schrecken.

Jugendstil-Fries an einem Hauseingang in Wien, III, das zwei einander zugewandte Mädchen/Frauenköpfe darstellt.
© Peter Karoshi
Jugendstil-Fries an einem Hauseingang in Wien, III, das zwei einander zugewandte Mädchen/Frauenköpfe darstellt.
© Peter Karoshi
Jugendstil-Fries an einem Hauseingang in Wien, III, das zwei einander zugewandte Mädchen/Frauenköpfe darstellt.
© Peter Karoshi
Jugendstil-Fries an einem Hauseingang in Wien, III, das zwei einander zugewandte Mädchen/Frauenköpfe darstellt.
© Peter Karoshi